25 — Didaktik

In der kurzen Zeit, die Marlin mit Ariana hier im Häuschen verbracht hatte, hatte xies bald bemerkt, dass es schnell ging, das Häuschen aufzuräumen und in einen akzeptablen Zustand zu versetzen. Noch schneller aber konnte sich Chaos ausbreiten und die Herrschaft über die paar Quadratmeter übernehmen. Oder wie Ariana es bezeichnete „Entropie“. Entsprechend zerrupft sah das Loft nach dem Besuch des Rudels aus und die beiden derzeitigen Bewohner machten sich an die Arbeit.

Während Ariana das benutzte Geschirr abwusch und Marlin das Abtrocknen übernahm, begann die Magierin, wie versprochen, mit Erklärungen. Zyx tanzte neben dem Becken mit einer Schaumkrone in Form einer 60er-Jahre Bienenkorbfrisur auf dem Kopf und ‚half‘, in dem sie ihre menschlichen Begleiter immer mal wieder mit dem Schwanz aus dem Spülbecken bespritzte. 

„Was haben sie gemeint, von welchem „älteren Bruder“ haben sie geredet, dem du Land zurück gebracht hast?“ fragte Marlin nach einem Moment.

„Unter den Garou sind die Wendigo die „jüngeren Brüder“ und die Uktena die „älteren Brüder“. Aber frag mich nicht, wieso und ich vermute, wenn wir fragen würden, bekämen wir auch keine Antwort darauf. Jedenfalls, man hatte … meine damaligen Begleiter … und mich engagiert, um einen Spukort zu untersuchen. Was wir dort fanden … im Endeffekt war Kinfolk – das sind Angehörige, die sich nicht wandeln können – des Garou Stamms der Uktena, sehr brutal ermordet worden. Schon vor langer Zeit. Dadurch hatte sich dort eine Art Monster festgesetzt, das wir … entfernt haben. Und wir haben die Urkunden gefunden, die belegen, dass das Land den Uktena zusteht. Es war Zufall. Alles, was wir getan haben, ist, die Urkunden an die rechtmäßigen Besitzer weiterzuleiten.  Immerhin ist es möglicherweise der Grund, dass sie überhaupt zugesagt haben, uns hier unterzubringen. Also beschwere ich mich nicht, dass es für sie eine große Sache zu sein scheint. Hey, lass das Zyx.“ Sie duckte sich vor Wasserspritzern weg.

 „Sie haben gar nicht wirklich auf Zyx reagiert,“ bemerkte Marlin.

Ariana schüttelte leicht den Kopf. „Nicht sehr deutlich. Aber Grim Heart ist zusammengezuckt und alle anderen haben ziemlich bemüht woanders hingesehen, während Zyx gegessen hat, außer Old Prankster. Es ist auch nicht gesagt, dass alle von ihnen zu den Navajo – oder eher den Diné gehören. Sie sind in erster Linie Garou.“

Marlin nickte leicht und öffnete den Mund für die nächste Frage. Ariana blickte xies schmunzelnd von der Seite an.

„Ich weiß, das alles ist sehr spannend. Vor allem, wenn man rausschieben kann, über die eigenen Fähigkeiten nachzudenken.“

Marlin klappte den Mund wieder zu.

„Glaubst du daran, dass es Magie gibt und du bereits Magie gewirkt hast?“

Marlin zögerte einen Moment, nickte aber.

„Gut. Das ist ein Schritt. Glaubst du, dass du die Realität verändern kannst?“

„Aber du hast doch gesagt …“

„Ja, ich weiß, was ich gesagt habe. Aber das ist der zweite Schritt. Damit sich die Konsensrealität gegen den Eingriff eines Magiers wehren kann, muss dieser zuerst in die Realität eingreifen. Sie verändern. Also, glaubst du, dass du die Realität verändern kannst?“

Wieder zögerte Marlin einen Moment und schüttelte dann den Kopf. 

Ariana nickte verstehend.

„So ging es mir zu Beginn auch. Es ist schwer zu verstehen. Zu verinnerlichen. Es ist anders, als man es in Geschichten liest, in denen man ein paar Zauberformeln lernt und dann die dazugehörigen Effekte hervorruft. Wir können — theoretisch — mit der Realität tun, was wir wollen, wie wir wollen und wann wir wollen.“ Sie hob einen Teelöffel hoch und wartete ab, bis Marlin auch darauf blickte. Vor ihrem Auge wandelte sich das Metall um. Wurde durchsichtig. Flüssig. Dann platschte das eben noch löffelförmige Wasser in das Spülbecken.

Ariana sah dem Löffel hinterher, dann einen Moment schweigend auf das Spülbecken, bevor sie ihre Stirn gegen den Schrank neben der Spüle lehnte. „Das … war jetzt nicht nachgedacht.“

Marlin hatte noch eine Sekunde länger gebraucht, um das Gesehene zu verarbeiten. Dann sah xies zu Ariana und fragte ahnungslos: „Kannst du ihn nicht einfach zurückwandeln?“

„… theoretisch. Die Frage ist nur, wie ich Wasser-Wasser von Löffel-Wasser unterscheiden soll, jetzt, wo beides Wasser ist.“

„Dann einfach aus dem Wasser einen neuen Löffel machen?“

„Nein … “ Ariana seufzte. „Ich kann solche Umwandlungen noch nicht permanent machen. Das heißt, wenn ich das mache, haben wir in ein paar Wochen einen nassen Fleck in der Besteckschublade. Schlimmstenfalls wandelt er sich zurück, während ihn jemand benutzt.  Und wenn ich den Stöpsel ziehe …  normalerweise würde ich das Grauwasser einfach ablaufen lassen. Dort versickert es dann im Boden und … irgendwann gräbt dort jemand und gräbt einen Löffel aus. Aber zum Glück hab ich hier einen Auffangbehälter angeschlossen. Dann muss ich jetzt nur den Inhalt ein paar Wochen mitrumschleppen und dann dran denken, den Löffel rauszufischen.“

Marlin konnte nicht anders und musste grinsen.

„Die erste Lektion war also: Sei vorsichtig, was du tust und wo, denn dein Begleiter für die nächsten paar Wochen könnte ein Abwasserbehälter sein?“

Ariana verdrehte die Augen. „So viel zu folgsamen, unterwürfigen Schülern. Aber ja, lerne aus den Fehlern deines Meisters, junger Padawan.“ Sie streckte Marlin die Zunge heraus. 

Marlin kicherte und trocknete den nächsten Löffel ab, den Ariana hinhielt.

„Gut. Zurück zum Thema. Du kannst es also noch nicht glauben und das ist normal. Es ging mir auch nicht anders, zu Beginn.“

„Echt?“ Marlin linste zu Ariana.

„Nein. Ganz ehrlich, eine Weile habe ich mich davor gedrückt, überhaupt zu lernen. Ich hatte gehofft, dass vielleicht alles wieder normal wird. Aber das wurde es nicht.“ Sie sah ernst zu Marlin. „Das wird es nicht.“

Marlin schluckte.

„Was du brauchst, ist ein Paradigma. Eine Philosophie, die dir selbst erklärt, warum Magie funktioniert.“

„Gibt es dazu keine Bücher? Wie … es gibt Schwerkraft, weil die Erde Masse hat? Oder so?“

Ariana hob einen Mundwinkel. „Wie sehr ich mir ein solches Buch gewünscht hätte. Aber nein. So was gibt es nicht. Wir arbeiten zwar alle mit der gleichen Magie, aber die Erklärung, warum sie funktioniert, ist individuell. Paradigmen können sich ähneln, aber keine zwei Paradigmen sind identisch. Du erklärst dir selbst, warum es Magie geben kann, wie und wodurch sie wirkt. Das muss nicht gleich perfekt sein. Im Gegenteil. Je weiter du auf deinem Weg vorankommst, um so entwickelter, ausgefeilter wird dann Paradigma sein. Du kannst dann in einer Sphäre mehr bewirken, wenn du eine neue Einsicht in sie erlangt hast und sich dein Paradigma verfeinert.“

„Und was hast du für ein Paradigma?“ hakte Marlin nach.

Ariana schmunzelte und schüttelte den Kopf. „Das erzähle ich dir, wenn du dein eigenes Paradigma gefunden hast. Für den Moment würde ich befürchten, dass du dich zu sehr daran orientierst und versuchst dein eigenes Paradigma an dem einzigen anderen Paradigma zu formen, das du bisher kennst.“

Marlin zog einen Flunsch.

„Die Sphären, ich hatte dir davon schon im Zusammenhang mit den Traditionen erzählt. Es gibt neun. Correspondence – Raum und Verbindung, Entropie – Zufall, Schicksal und Zerfall , Forces – Energien, Life – Lebewesen, Leben, Heilung aber auch das Gegenteil, Matter – unbelebte Materie, Mind – Bewusstsein, Wahrnehmung und so weiter, Prime – eine Urenergie oder vielleicht auch Magie selbst, Spirit – Übersinnliches, im weiteren Sinne, verborgene Reiche, vergessene Wesen, Time – nun, selbsterklärend. Und manche reden auch von einer zehnten Spähre, aber welche und was sie sein soll, darüber gibt es hitzige Debatten.

Deine Stärke liegt vermutlich bei den Energien. Aber das Problem ist, dass du mit einer Sphäre alleine meist wenig erreichen kannst. Du kannst zwar einen Wirbelsturm erschaffen, der alles Mögliche mit sich reisst, aber wenn du eine Kiste schweben lassen willst, musst du nicht nur verstehen, wie du Kräfte beeinflusst, sondern auch, wie du sie auf Materie wirken lässt und dafür musst du Matter beherrschen.

Apropos.“ Sie zog ein Glas aus dem Becken und hielt es, noch tropfend, über den Fußboden. „Halt mal in der Luft fest.“ Sie ließ das Glas los.

Marlin starrte überrumpelt, hechtete dann danach und fing es in letzter Sekunde auf.

„Immerhin gute Reflexe,“ kommentierte Ariana das trocken. „Nächstesmal dann mit Magie.“


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01 — Katharsis

Young beautiful dancer jumping into blue powder cloud

Sie betrat das Tanzstudio, dessen Raum sie für die kommende Stunde gemietet hatte und schloß die Tür mit einem leisen Klicken hinter sich. Kurz blieb sie dort stehen, lehnte die Stirn an die geschlossene Tür, bevor sie durch den Raum zu der Bank an der Querseite schritt. Sie ließ ihre Tasche auf die Bank gleiten und nahm daneben Platz  um aus ihren Schuhen heraus und in die Spitzenschuhe hineinzuschlüpfen.

Ohne es wirklich zu bemerken, vermied sie es, in die großen Spiegel der Längsseite zu sehen. Statt dessen fiel ihr dunkles Haar wie ein Vorhang, oder wie Scheuklappen, um sie herum, während sie langsam, sorgfältig, eines der Satinbänder nach dem anderen um ihre Fußgelenke schlang. Kurz stellte sie jeden Fuß auf, um den Sitz der Schuhe zu überprüfen, bevor sie zu ihrem Smartphone griff, und die in der Wand versteckten Bluetooth-Lautsprecher ansteuerte.

Sie hatte die Playlist sorgfältig im Vorfeld zusammengestellt. Jedes Stück genau in der richtigen Länge für die einzelnen Übungen. Nur nicht mit den Gedanken abschweifen und das Warmmachen schleifen lassen. Sie mochte viel überleben können, aber Muskelfaser- oder Sehnenrisse waren doch schmerzhaft. Und der Heiler war …

Sie brach den Gedankengang ab.

Anmutig konnte man ihre Bewegungen noch nicht nennen, nach den wenigen Monaten Training. Sie hatte zu spät mit dem Training angefangen … viel zu alt. Sie war keine Ballerina, würde nie eine sein, egal wie viel Zeit ihr Trainer in sie steckte. 

Aber das bedeutete nicht, dass sie nicht tanzen konnte. Oder wollte. 

Während hinter ihr die Klaviermusik aus den Lautsprechern plätscherte, führte sie methodisch – und irgendwie auch mechanisch – die Übungen an der Stange aus. Normalerweise würde sie ihre Haltung im Spiegel kontrollieren. Korrigieren. Heute hielt sie den Blick abgewendet und ging gerade nicht so weit, den Spiegel temporär zumindest, in eine stumpfe Fläche zu verwandeln. Es konnte jederzeit jemand hereinkommen, obwohl sie eine Stunde gewählt hatte, zu der sie sehr wahrscheinlich alleine in der gesamten Tanzschule sein würde. Abgesehen von ihrem Kontakt, der sie hereingelassen hatte und später wieder hinauslassen würde. Aber man wusste nie und wenn sie gerade etwas nicht noch zusätzlich nötig hatte, dann war das Paradox.

Etwa 100 unterschiedlicher Pliées und Dehnübungen später, endete das Klaviergeklimper und in der Playlist entstand eine kurze, voreingestellte Pause. Noch ein Tastenanschlag mehr und das nächste Klavier, das ihr begegnet wäre, hätte möglicherweise einen kurzen und feurigen Tod erhalten.

Mit einem halben Dutzend schneller Schritte, war sie in der Mitte des Raums. Und als die erste Note des harten Rocksongs aus den Lautsprechern dröhnte, begann sie zu tanzen. 

Nur wenige Takte in die Musik setzte sie zum ersten Tour jeté an, dann folgte Sprung auf Sprung, im harten Rhytmus der schnellen Passagen.

Eine Kombination, die auch für eine durchtrainierte, professionelle Tänzerin an die Grenzen der Kondition gehen würde. Bei ihr aber wurde jeder Sprung höher, gewagter, die Drehungen schneller.
Sie brauchte es gerade, ihren Körper zu spüren, an dessen Grenzen zu gehen und darüber hinaus.

Ihr langes, offenes Haar wirbelte um sie, verdeckte ihr nicht selten die Sicht, wenn sie überhaupt Wert darauf gelegt hätte, zu sehen wohin sie sich bewegte.

Nur einmal streifte sie ihr eigenes Bild flüchtig mit dem Blick im Spiegel. Die Wangenknochen, die stärker hervortraten. Die härtere Kinnlinie. Die Schatten unter ihren Augen.

Gleich wurde ihr Gesicht von anderen Gesichtern verdrängt. Ihrem Verlobten … verschwunden. Vermisst. Vermutlich tot.

Grand jeté.

Ihre Wahlfamilie. Verschwunden. Vermisst. Vermutlich tot.

Brisé. Pirouette.

Nicht einmal sie hatte, mit all ihren Fähigkeiten, etwas herausfinden könnten. Sie waren wie vom Erdboden verschluckt. Als hätte der Erdboden sie nicht einmal gekannt.

Ein weitere Sprung ging in den nächsten über. Halsbrecherisch oder eher knochenbrecherisch bei ihrem Ausbildungsstand. Doch sie lehnte sich nur mehr in die Sprünge hinein, spürte die Kräfte, die Fliehkräfte wirken, während sie einen kleinen Zauber hineinfließen ließ, die Sprünge noch etwas extatischer machte.

Nur wenig. Es konnte immer noch jemand reinkommen. Jemand durch die Fenster knapp unter der Decke hineinspähen, so unwahrscheinlich das auch war.

Das Lied ging in das nächste, ähnlich schnelle, ähnlich harte Lied über und das nächste. Als der letzte Ton des letzten Liedes verklang, führte der letzte Sprung sie in eine kniende Position.  Hier verharrte sie, den Kopf gesenkt, das Haar sie umgebend, wie einen Schleier, während sich ihr Atem nur langsam beruhigte.

Im Moment hätte sie gar nicht aufstehen können, selbst wenn sie wollte. Ihre Knie hätten zu sehr gewackelt.

Sie blieb dort, an der Stelle, bis es leise klopfte und ihr Kontakt den Kopf hereinstreckte. „Ich muss demnächst abschließen, Miss und sie wollen sicher noch duschen.“

Ariana schüttelte den Kopf, ohne aufzusehen. „Ich dusche zuhause. Es ist nicht weit. Ich bin in zehn Minuten am Eingang.“

„Danke, Miss,“ die Tür schloß sich wieder.

Sie erhob sich. Eher ungraziös. Der mächtige Muskelkater, den sie am nächsten Tag haben würde, kündigte sich bereits an. Aber es war ihr gleich. Nein. Falsch. Sie würde ihn begrüßen.

Schmerz. Er passte zu ihrem Leben. Nicht erst seit gestern, aber besonders in dieser Zeit.

Sie ließ sich auf der Bank nieder um die Bänder der Spitzenschuhe aufzuschnüren. Während sie die Schuhe abstreifte, klingelte ihr Telefon. Sie warf einen flüchtigen Blick auf die angezeigte Nummer, um dann sofort abzunehmen.

Ihr Chantry. Aber nicht die zentrale Nummer, sondern das ‚rote‘ Telefon.

Statt einer Telefonverbindung baute sich eine Videokonferenz auf und Ariana blickte in ein knautschig-faltiges, gutmütiges Gesicht, das sie ernst anblickte.

„Was gibt es?“ fragte sie ohne Smalltalk.

„Das Medium im Dienst hat einen neuen Erwachenden gefunden. Er ist in akuter Gefahr.“

Sie presste die Lippen zusammen und nickte.  Dann konnte sie ein leises Seufzen aber auch nicht unterdrücken. „Bleibt mir Zeit für eine Dusche?“

„Besser nicht, antwortete die Frau auf der anderen Seite. „Es sind 100 Meilen nordöstlich deiner Position. Ich schicken dir alle weiteren Daten aufs Smartphone. Sofern du nicht noch Verbündete in der Gegend hast, können wir dir gerade niemanden schicken. Du bist auf dich alleine gestellt. Es tut mir leid.“

Ariana nickte. „Zehn Minuten, dann bin ich unterwegs. Wünsch mir Glück.“

Die Frau auf der Gegenseite hob einen Mundwinkel. „Was sagen wir zum Gott des Todes?“

„Nicht heute.“ Ariana legte auf und warf das Gerät in ihre Tasche, zusammen mit den Schuhen.

Zehn Minuten später rauschte ein weißer Ford Pick-Up über die Ausfallstraße in nordöstliche Richtung.

Sie war auf dem Weg.


02 — Odyssee

Ballerina dancing in pointe shoes

Vage. So vage.

Es war eine Idee gewesen, Übersinnliche mit medialen Fähigkeiten anzuheuern, um dem gegenzusteuern, dass immer mehr  Erwachende dies außerhalb der Strukturen taten, die sich unter Magiern, Garou oder auch den Changelings ausgebildet hatten. Den Suits einen Schritt voraus sein. 

Aber abgesehen davon, dass nicht gerade viele Medien Schlange standen, um Freiwilligenarbeit für sie zu leisten, war diese Arbeit auch auf eine Art anstrengend, die Ariana erst nachvollziehen konnte, seit sie selbst ein paar Mal als … Kanal …für Entitäten von der anderne Seite gedient hatte. 

Es war nicht so, dass ihre Hilfe der medial Begabten nicht nützlich war. Im Gegenteil. Sie war  unersetzlich. Aber sie war auch extrem anfällig, störanfällig, und oft extrem vage. 

Und jetzt hatte sie auch noch das Navi in ein weiteres, totes Ende geführt. 

Ariana fluchte leise und rammte die Automatic des Ford Heavy Duty Pickups in den Rückwärtsgang. Neben ihr in der Schale, die auf die Mittelkonsole aufgesetzt war, regte sich etwas und Zyx, die kleine Grasnatter blickte missmutig züngelnd von ihrem Wärmestein auf. 

Nach einem Moment wirkte sie resigniert – wenn Grasnattern resigniert schauen konnten und sie streckte sich von dem Wärmestein, hin zu Arianas Arm. Erst wand sich sich um den Arm herum, dann schlüpfte sie unter den Armel und wand sich den Arm hinauf, bis sie sich wie eine dekorative Torque um Arianas legte. Dem wohl einzigen Platz im Wagen, der von der eher ruppigen Fahrweise der Magierin gerade nicht durchgeschüttelt wurde, weil sie automatisch mit ihrem Körper ausglich. 

„C’mon …“ fluchte sie leise in Richtung des Navis. „… es muss doch einen Weg auf diese Anhöhe geben, der nicht im Nirgendwo endet.“

Tatsächlich berechnete das System just in diesem Moment die Strecke neu und zeigte eine beruhigende grüne Linie, die grob in die Richtung führte, das Medium genannt hatte. Das die wenigen Bilder, die es empfangen hatte, noch mit ‚vermutlich weiter oben‘ garniert hatte. 

„Wenn es wenigstens eine Monty Python Wegbeschreibung wäre, dann wäre es wenigstens witzig,“ murmelte Ariana und brachte das Auto, sie selbst und damit auch die Grasnatter um ihren Hals auf den neuen Weg. Aber nicht nur, dass die Wegbeschreibung vage geblieben war, sie wusste nicht einmal, mit was für einer Art von Erwachendem sie es zu tun haben würde. Einem Magier? Einem Garou? Einem Changeling? Wohl keinen Changeling. Diese hatten irgendwie besser Chancen, die ihren auch über Entfernung zu erkennen, als sie die Magier. Auch die Garou hatten nicht ganz so viel Pech mit Lost Cubs, wie sie es anscheinend hatten, mit Erwachenden die … irgendwo verschwanden … 

Aber nicht heute. NIcht, wenn sie es verhindern konnte. 

Alles was sie im Moment brauchte, war ein Platz. Am Besten etwas erhöht, und nicht auf den ersten Blick von weither einsehbar. Mit zumindest ein bisschen Platz und ein bisschen Schutz, dass sie ein Ritual machen konnte. Alleine, zum ersten Mal seit … seit sie erwacht war? Überhaupt? Ein bitterer Geschmack sammelte sich in ihrem Mund. Aber jetzt war nicht der Moment, zusammenzubrechen und sich in ein Häufchen Elend aufzulösen. 

Jemand brauchte ihre Hilfe und das war genug.