15 – Harmonie

15 – Harmonie

Als xies Ariana wieder ansprechen konnte, ohne sie abzulenken, fragte Marlin: „Wir fahren jetzt zu diesem … Chantry?“

Ariana nickte. „Ja. Es ist bei Seattle. Das heißt, wir werden eine Weile unterwegs sein. Möglicherweise werden wir auch noch für ein oder zwei Tage bei Verbündeten unterschlüpfen. Aber das werde ich unterwegs sehen müssen. Und wenn ja, auch wo.“

14 – Prophylaxe

14 – Prophylaxe

Die nächste halbe Stunde würde Marlin alle Hände voll zu tun haben und wenn xies nachdacht hätte, wäre xies vielleicht auf die Idee gekommen, dass Ariana so versuchte xies davon abzuhalten, zu sehr über das, was geschehen war, nachzudenken. Der Zusammenbruch würde kommen. Dann, wenn Marlin endgültig realisierte, dass die nächste Angehörige tot war. Wirklich tot. Dass xies nicht nur für den Moment die dringend nötige Distanz zu einem nicht sehr hilfreichen oder gesunden Elternteil gefunden hatte, sondern, dass nun die Möglichkeit zu ihr zurückzugehen, oder sich zu ihren Lebzeiten vielleicht aktiv gegen einen weiteren Kontakt zu entscheiden, nicht mehr gegeben war. Und mehr noch, wenn Marlin realisierte, was es bedeutete, wahrscheinlich die Hauptverdächtige zu sein.

13 – Katastrophe

13 – Katastrophe

Als Marlin Stunden später wieder wach wurde, war das erste Geräusch, dass xies wahrnahm, leise Klaviermusik, die durch ein Fenster, das einen Spalt offenstand und frische Luft hereinließ, zu xies drang. Xies schob sich zu dem niedrigen Fenster, zog es etwas weiter auf und spähte nach unten. Dort hatte Ariana an der Seite des Hauses eine Stange in anscheinend dafür fest angebrachte Befestigungen eingehakt und führte methodisch und ruhig Ballettübungen

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12 – Synergie

12 – Synergie

Kurz darauf war der Tisch wieder nach oben, unter die Decken, beziehungsweise den Fußboden des eingangsseitigen Lofts gezogen, dort mit Riegeln gesichert und das bisschen Geschirr abgespült und weggeräumt. Nur, als Marlin die Sachen zurück in den Kühlschrank geräumt hatte, war xies kurz zusammengezuckt, als ein kleiner eckiger Eisbär sie beim Öffnen begrüßt hatte. Ariana hatte gegrinst und erklärt, dass es sich um eine verspielte Erinnerung zum Energiesparen handelte, die sie geschenkt bekommen hatte. „Tatsächlich zieht der Kühlschrank ziemlich Propan, solange wir Off-Grid sind. Daher bin ich nicht unglücklich, wenn der eine oder andere meiner Gäste dran erinnert wird, die Tür auch wieder zuzuklappen.“Zyx hatte ‚geholfen‘ in dem sie einerseits unter Einsatz des ganzen Grasnatternkörpers die eigene Mini-Tasse selbst über die Kante und ins Wasser geschoben hatte und anschließend mit der Schwanzspitze auch innen getrocknet hatte. Außerdem hatte sie auf eine kleine Krone aus Schaum bestanden, die sie ebenso anmutig trug, wie eine Königin.

11 – Skepsis

11 – Skepsis

Marlin brauchte eine Weile, sich von dem Anblick loszureissen und zu Ariana aufzusehen. Der Unterton war, trotz des Bildes vor ihr, aber weiterhin etwas distanziert. Nicht unfreundlich, aber Ariana konnte ihm ein gesundes Maß an Skepsis entnehmen. Skepsis, die sie auch zu Beginn durchaus empfunden hatte. Skepsis, die durchaus normal war, wenn man gerade erlebt hatte, wie ein merkwürdiges Raumschiff durch das Dach eines Museums gebrochen war, … Men …

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10 – Eremit

10 – Eremit

Vielleicht hatte das „Schutzgebet“ die richtige Adresse gefunden. Vielleicht standen die Sterne gut. Vielleicht war es aber auch ein Mittelding zwischen, seit bald zwei Jahren auf der Wunschliste der Suits zu stehen, die Wahlfamilie an sie verloren zu haben – zumindest wahrscheinlich – inzwischen ausreichend Erfahrung im Weglaufen gesammelt zu haben und der guten alten Technik. Na gut, vielleicht nicht wirklich der ‚guten alten‘ Technik, sondern eher der Technik, die

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09 – Panik

09 – Panik

„Biologie. Montag.“ Ariana seufzte. Dann nickte sie.  „Es tut mir leid, wie das gekommen ist. Das war nicht das erste Mal, denke ich?““Nein,“ Marlin schüttelte den Kopf. Arianas Blick lag für einen Moment auf Marlin. „Es ist nicht, was ich von mir selbst kenne, aber ich habe von 14 an, bis ich erwachsen war, in einem Gruppenwohnheim gelebt. Ich weiss, dass du damit nicht alleine bist. Es gibt andere, die die gleiche Erfahrung gemacht haben. Es liegt nicht an dir. Du hast nichts falsch gemacht. Sie ist diejenige, die falsch handelt. Egal wie oft dir andere erzählen mögen, dass sie sich doch so aufopfert für dich.“Marlin nickte nach einer ganzen Weile und Ariana beließ es dabei. Es würde nicht von heute auf morgen einsickern.“Ich bin gleich wieder da,“ sagte sie, „kannst du so lange auf Zyx aufpassen?“

08 – Antagonist

08 – Antagonist

„Eine RuhestörerIN,“ betonte ihr Gegenüber nachdrücklich und ihr Gesicht nahm einen Ausdruck an, den Ariana nur als ‚hochzufriedene Genugtuung‘ beschreiben konnte. Gut, das hatte sie nicht erwartet. Sie hatte, in ihren eigenen Jahren ‚im System‘ keine Familie kennengelernt, die sich über den Besuch des Jugendamtes gefreut hatte. Manche waren erleichtert gewesen, ja, aber auch dann war die Erleichterung meist gepaar mit Schuldbewusstsein oder Scham. Aber Genugtuung? Sie verbarg ihren eigenen,

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07 – Manie

07 – Manie

Selbst an dem Ort, an dem sie aufgewachsen war, hatte sie mehr Leben gespürt. Oder mehr Destruktion. Jedenfalls überhaupt etwas. Hier. Fast kam es ihr vor wie ein Ort, der Emotionen aufsaugte, aber nicht mehr abgab. Ein schwarzes Loch der Gefühle. Wie Marlin hatte hier so lange überleben können, war ihr ein Rätsel. Ihr erster Impuls war, weiterzurennen, die Tür einzutreten – sofern sie das mit ihrer Kraft überhaupt schaffen würde – Marlin rauszuholen und mit xies zusammen davon zu rasen. Aber sie musste das schlauer angehen, wenn sie nicht wollte, dass ihr die Sache hier mit einem Knall um die Ohren flog und nicht nur die Suits hinter ihr her waren. Marlin war, soweit sie das sagen konnte, nicht älter als 16 und Kindesentführung war ein ernstes Verbrechen. Auch wenn sie den Eindruck hatte, dass in diesem Fall nur wenige Entführer vorstellen konnte, die schlimmer sein konnten, als dieses  … schwarze Loch.

06 – Phrase

06 – Phrase

Ariana blickte Marlin an.
Marlin schien irgendwas auf dem Armaturenbrett sehr spannend zu finden.
Dann wanderten xies Blicke zum Himmel weiter, der in einem eindringlichen Blaugrün schimmerte.
XIer öffnete den Mund und klappte ihn wieder zu, als xier Arinanas Blick sah.
Dann hob Marlin leicht die Schultern und ließ sie wieder fallen.
„Meine Mutter. Wir verstehen uns nicht sonderlich.“
„Lebst du nur mit deiner Mutter zusammen?“
Marlin nickte.

05 – Dyade

05 – Dyade

Arianas Gegenüber zögerte. Natürlich.

Jeder Mensch mit Verstand würde zögern, wenn er mitten in der Nacht auf offener Straße von einer sichtlich Ortsfremden in einem fetten und ziemlich neuen Pick-up-Truck angesprochen werden würde. Einer Fremden, die zwar zierlich aussah, aber wer wusste schon, wer sich in diesem Pick-Up noch versteckte und ob sie vielleicht sich gerade nur zeigte, um das zukünftige Opfer in Sicherheit zu wiegen.

03 – Odyssee II

03 – Odyssee II

Eine Dreiviertelstunde später erreichte der Ford Heavy Duty Pick-Up endlich die gewünschte Anhöhe. Geröll und Kies knirschte unter den Reifen und verlängerte den Bremsweg um ein paar Meter. Dann verstummten die Motorengeräusche, als Ariana die Zündung abschaltete und den Schlüssel abzog. Kurz strichen ihre Finger über den grünen Körper der Grasnatter um ihren Hals. „Willst du nicht lieber hier bleiben? Ich weiss nicht, was mich erwartet.“ Was sie zur Antwort

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02 – Odyssee

02 – Odyssee

Vage. So vage.Es war eine Idee gewesen, Übersinnliche mit medialen Fähigkeiten anzuheuern, um dem gegenzusteuern, dass immer mehr  Erwachende dies außerhalb der Strukturen taten, die sich unter Magiern, Garou oder auch den Changelings ausgebildet hatten. Den Suits einen Schritt voraus sein. Aber abgesehen davon, dass nicht gerade viele Medien Schlange standen, um Freiwilligenarbeit für sie zu leisten, war diese Arbeit auch auf eine Art anstrengend, die Ariana erst nachvollziehen konnte, seit sie selbst ein paar Mal als … Kanal …für Entitäten von der anderne Seite gedient hatte.

01 – Katharsis

01 – Katharsis

Sie betrat das Tanzstudio, dessen Raum sie für die kommende Stunde gemietet hatte und schloß die Tür mit einem leisen Klicken hinter sich. Kurz blieb sie dort stehen, lehnte die Stirn an die geschlossene Tür, bevor sie durch den Raum zu der Bank an der Querseite schritt. Sie ließ ihre Tasche auf die Bank gleiten und nahm daneben Platz  um aus ihren Schuhen heraus und in die Spitzenschuhe hineinzuschlüpfen.

Ohne es wirklich zu merken, vermied sie es, in die großen Spiegel der Längsseite zu sehen. Statt dessen fiel ihr dunkles Haar wie ein Vorhang, oder wie Scheuklappen, um sie herum, während sie langsam, sorgfältig, eines der Satinbänder nach dem anderen um ihre Fußgelenke schlang. Kurz stellte sie jeden Fuß auf, um den Sitz der Schuhe zu überprüfen, bevor sie zu ihrem Smartphone griff, und die in der Wand versteckten Bluetooth-Lautsprecher ansteuerte.